Psychotherapie Praxis Helen Lueg
Psychotherapie Praxis Helen Lueg

Konzept Neurodiversitätsgruppe (ADHS/Autismus)


 

 

1. Zielsetzung des Gruppenangebotes

Die Neurodiversitätsgruppe richtet sich an erwachsene Patient:innen mit neurodivergenten Profilen – insbesondere ADHS, Autismus-Spektrum-Ausprägungen, hochsensible Wahrnehmungsstile und Mischformen. Ziel ist die Förderung eines fundierten Verständnisses der eigenen neurobiologischen Ausstattung, die Entwicklung stabiler Emotions- und Selbstregulationsstrategien sowie die Verbesserung von Selbstwirksamkeit, sozialer Kompetenz und Alltagsfunktionalität. Das Gruppenangebot verbindet psychoedukative, verhaltenstherapeutische, schematherapeutische und erlebnisorientierte Elemente in einem integrativen therapeutischen Ansatz.

 

2. Indikation und Teilnahmevoraussetzungen

Die Gruppe eignet sich für Patient:innen, die eine neurobiologische Besonderheit aufweisen und deren Alltagsleben durch Reizoffenheit, Stresssensitivität, Aufmerksamkeitsschwankungen, emotionale Intensität oder zwischenmenschliche Missverständnisse belastet ist. Für die Teilnahme sind folgende Voraussetzungen verbindlich:

  • Regelmäßige Teilnahme, pünktliche Anwesenheit und Bereitschaft, sich aktiv auf den Gruppenprozess einzulassen.
  • Fähigkeit zur Kooperation in einer Kleingruppe sowie respektvoller Umgang miteinander.
  • Akzeptanz neurodiverser Funktionsweisen und wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe.
  • Keine aktuellen substanzgebundenen Abhängigkeiten oder Konsumverhalten, das die Gruppenarbeit beeinträchtigen würde.
  • Bereitschaft zur Selbstreflexion, zum Erlernen neuer Strategien und zur Anwendung von Übungen im Alltag.
  • Bei Patient:innen mit ADHS-Medikation erfolgt eine koordinierte Zusammenarbeit mit einem externen psychiatrischen Fachkollegen; somatische Aspekte, Dosierungen und arzneimittelbezogene Fragen werden ausschließlich ärztlich begleitet.

 

3. Struktureller Aufbau und Rahmenbedingungen

Die Neurodiversitätsgruppe findet jede 3. Woche statt, mit einer Dauer von 90 Minuten pro Sitzung. Die Gruppengröße beträgt in der Regel 6–12 Personen, um Interaktion und individuelles Arbeiten zu ermöglichen. Das Angebot ist fortlaufend und modular orientiert; ein Einstieg ist in Absprache möglich.

 

Jede Sitzung folgt einer klar strukturierten Abfolge:

  • Ankommensphase mit kurzer Stimmungsabfrage und Orientierung.
  • Psychoedukativer Schwerpunkt zu neurobiologischen, kognitiven oder emotionalen Prozessmustern.
  • Übungssequenz aus VT, Schematherapie, hypnosystemischen oder erlebnisorientierten Verfahren.
  • Körper- und Atemarbeit zur Reizregulation sowie optional Musik- oder Rhythmuselemente zur Förderung der Selbstwahrnehmung.
  • Reflexionsrunde und Übertragung in den Alltag.

 

4. Inhalte und thematische Schwerpunkte

Das Gruppenprogramm verknüpft wissenschaftlich fundierte Psychoedukation mit praktisch anwendbaren Interventionen. Themenbereiche umfassen:

Neurobiologische Grundlagen von Neurodivergenz

Verständnis neuronaler Netzwerke, Reizfilterung, exekutiver Funktionen und emotionaler Reagibilität; Orientierung an aktuellen Erkenntnissen, wie sie in Ihren Modulen dargestellt sind (z. B. Differenzierung zwischen neurobiologischen Mustern und sozialem Stress; Dekonstruktion von Scham und Fehlinterpretationen neurodivergenter Reaktionen).

ADHS und Autismus im Erwachsenenalter

Erklärung typischer Funktionsprofile, Stärken, Herausforderungen und Missverständnisse; Transfer auf Alltag, Beruf und Beziehungen.

 Hier erfolgt Anschlussfähigkeit an die Inhalte des ADHS-Psychoedukationsmaterials und des INFOBRIEF-Bausteins.

Schematherapeutische Elemente

Identifikation neurobiologisch gefärbter Schemata (z. B. Selbstabwertung, Überforderungsmodus, Kontrollschema, Perfektionsdruck).

Einführung in die Arbeit mit Bedürfnissen, Modi und inneren Anteilen.

Ressourcenaktivierung und Aufbau eines stabilen Erwachsenenmodus, angepasst an neurodivergente Reizverarbeitung.

Verhaltenstherapeutische Interventionen

Strukturierungstechniken, Reizmanagement, Priorisierung, Alltagsorganisation, Umgang mit Überforderung.

Training von sozialer Aufmerksamkeit, dialogischer Kompetenz und Stressreduktion.

Erlebnisorientierte und hypnosystemische Verfahren

Atemtherapeutische Elemente zur Regulation des autonomen Nervensystems.

Arbeit mit inneren Bildern, musikalischen Reizen, Rhythmus und Körperwahrnehmung.

Erkundung sicherer innerer Orte, Ressourcenanker und Imaginationsübungen für emotionale Stabilisierung.

Selbstmitgefühl, Schamreduktion und Identitätsentwicklung

Dekonstruktion internalisierter Defizitnarrative.

Aufbau einer positiven, differenzierenden Identität als neurodivergenter Erwachsener.

Kommunikation und Beziehungen

Training in Perspektivübernahme, Klarheit, Strukturierung von Dialogen, Umgang mit Missverständnissen.

Arbeit an Selbstoffenbarung und Grenzen in sensiblen sozialen Kontexten.

 

5. Methodischer Ansatz

  • Der methodische Rahmen verbindet:
  • Verhaltenstherapie (VT) für Struktur, Alltagskompetenzen und konkrete Problemlösung.
  • Schematherapie für die Arbeit mit emotionalen Kernmustern, maladaptiven Schemata und inneren Modi.
  • Hypnosystemische und erlebnisorientierte Verfahren für Körperwahrnehmung, Regulation, kreative Zugänge und Nutzung unwillkürlicher Ressourcen.
  • Psychoedukation anhand Ihrer vorhandenen Module zur Verdeutlichung neurobiologischer Mechanismen.
  • Musik- und Atemarbeit zur unmittelbaren Selbstregulation sowie zur Integration sensorischer Aspekte, die für viele neurodivergente Menschen relevant sind.

 

 

6. Evaluation, Verlaufskontrolle und Kooperation

Die Wirksamkeit des Gruppenangebots wird durch regelmäßige Verlaufsreflexionen, standardisierte Fragebögen und Beobachtung funktionaler Veränderungen im Alltag überprüft. 

Bei ADHS-Patient:innen erfolgt eine enge Abstimmung mit dem behandelnden psychiatrischen Kollegen zur Medikation, um eine optimale Balance zwischen Alltagsregulation und therapeutischer Arbeit zu gewährleisten.

Rückmeldungen der Patient:innen werden fortlaufend in die Weiterentwicklung der Gruppe integriert. Besonders beachtet werden die Themen Reizsensitivität, sozialer Stress, Perfektionismus, Ablenkbarkeit und emotionale Instabilität, da diese laut Ihren Modulen häufige Belastungsfaktoren darstellen.

 

7. Zielergebnisse und erwartbare therapeutische Effekte

Durch die Teilnahme sollen Patient:innen:

  • ein differenziertes Verständnis ihrer neurobiologischen Funktionsweise entwickeln,
  • ihre Stärken bewusst nutzen und selbstwirksamkeitsfördernde Strategien aufbauen,
  • emotionale Reaktionen schneller erkennen und besser regulieren können,
  • soziale Interaktionen sicherer gestalten, Konflikte klarer einordnen und Missverständnisse reduzieren,
  • den Alltag strukturierter, stabiler und ressourcenschonender organisieren,
  • Scham und Selbstkritik abbauen und einen akzeptierenden Umgang mit der eigenen Neurodivergenz entwickeln,
  • sich in der Gruppe als Teil einer wertschätzenden Gemeinschaft auf Augenhöhe erleben.

 

Frau Lic. med. (RCH)

Ruth  Helena Lueg

Fachärztin für innere Medizin

Psychotherapie

BSNR:315001600

LANR:703612461

 

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