1. Zielsetzung des Gruppenangebotes
Die Neurodiversitätsgruppe richtet sich an erwachsene Patient:innen mit neurodivergenten Profilen – insbesondere ADHS, Autismus-Spektrum-Ausprägungen, hochsensible Wahrnehmungsstile und Mischformen. Ziel ist die Förderung eines fundierten Verständnisses der eigenen neurobiologischen Ausstattung, die Entwicklung stabiler Emotions- und Selbstregulationsstrategien sowie die Verbesserung von Selbstwirksamkeit, sozialer Kompetenz und Alltagsfunktionalität. Das Gruppenangebot verbindet psychoedukative, verhaltenstherapeutische, schematherapeutische und erlebnisorientierte Elemente in einem integrativen therapeutischen Ansatz.
2. Indikation und Teilnahmevoraussetzungen
Die Gruppe eignet sich für Patient:innen, die eine neurobiologische Besonderheit aufweisen und deren Alltagsleben durch Reizoffenheit, Stresssensitivität, Aufmerksamkeitsschwankungen, emotionale Intensität oder zwischenmenschliche Missverständnisse belastet ist. Für die Teilnahme sind folgende Voraussetzungen verbindlich:
3. Struktureller Aufbau und Rahmenbedingungen
Die Neurodiversitätsgruppe findet jede 3. Woche statt, mit einer Dauer von 90 Minuten pro Sitzung. Die Gruppengröße beträgt in der Regel 6–12 Personen, um Interaktion und individuelles Arbeiten zu ermöglichen. Das Angebot ist fortlaufend und modular orientiert; ein Einstieg ist in Absprache möglich.
Jede Sitzung folgt einer klar strukturierten Abfolge:
4. Inhalte und thematische Schwerpunkte
Das Gruppenprogramm verknüpft wissenschaftlich fundierte Psychoedukation mit praktisch anwendbaren Interventionen. Themenbereiche umfassen:
Neurobiologische Grundlagen von Neurodivergenz
Verständnis neuronaler Netzwerke, Reizfilterung, exekutiver Funktionen und emotionaler Reagibilität; Orientierung an aktuellen Erkenntnissen, wie sie in Ihren Modulen dargestellt sind (z. B. Differenzierung zwischen neurobiologischen Mustern und sozialem Stress; Dekonstruktion von Scham und Fehlinterpretationen neurodivergenter Reaktionen).
ADHS und Autismus im Erwachsenenalter
Erklärung typischer Funktionsprofile, Stärken, Herausforderungen und Missverständnisse; Transfer auf Alltag, Beruf und Beziehungen.
Hier erfolgt Anschlussfähigkeit an die Inhalte des ADHS-Psychoedukationsmaterials und des INFOBRIEF-Bausteins.
Schematherapeutische Elemente
Identifikation neurobiologisch gefärbter Schemata (z. B. Selbstabwertung, Überforderungsmodus, Kontrollschema, Perfektionsdruck).
Einführung in die Arbeit mit Bedürfnissen, Modi und inneren Anteilen.
Ressourcenaktivierung und Aufbau eines stabilen Erwachsenenmodus, angepasst an neurodivergente Reizverarbeitung.
Verhaltenstherapeutische Interventionen
Strukturierungstechniken, Reizmanagement, Priorisierung, Alltagsorganisation, Umgang mit Überforderung.
Training von sozialer Aufmerksamkeit, dialogischer Kompetenz und Stressreduktion.
Erlebnisorientierte und hypnosystemische Verfahren
Atemtherapeutische Elemente zur Regulation des autonomen Nervensystems.
Arbeit mit inneren Bildern, musikalischen Reizen, Rhythmus und Körperwahrnehmung.
Erkundung sicherer innerer Orte, Ressourcenanker und Imaginationsübungen für emotionale Stabilisierung.
Selbstmitgefühl, Schamreduktion und Identitätsentwicklung
Dekonstruktion internalisierter Defizitnarrative.
Aufbau einer positiven, differenzierenden Identität als neurodivergenter Erwachsener.
Kommunikation und Beziehungen
Training in Perspektivübernahme, Klarheit, Strukturierung von Dialogen, Umgang mit Missverständnissen.
Arbeit an Selbstoffenbarung und Grenzen in sensiblen sozialen Kontexten.
5. Methodischer Ansatz
6. Evaluation, Verlaufskontrolle und Kooperation
Die Wirksamkeit des Gruppenangebots wird durch regelmäßige Verlaufsreflexionen, standardisierte Fragebögen und Beobachtung funktionaler Veränderungen im Alltag überprüft.
Bei ADHS-Patient:innen erfolgt eine enge Abstimmung mit dem behandelnden psychiatrischen Kollegen zur Medikation, um eine optimale Balance zwischen Alltagsregulation und therapeutischer Arbeit zu gewährleisten.
Rückmeldungen der Patient:innen werden fortlaufend in die Weiterentwicklung der Gruppe integriert. Besonders beachtet werden die Themen Reizsensitivität, sozialer Stress, Perfektionismus, Ablenkbarkeit und emotionale Instabilität, da diese laut Ihren Modulen häufige Belastungsfaktoren darstellen.
7. Zielergebnisse und erwartbare therapeutische Effekte
Durch die Teilnahme sollen Patient:innen: